"Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Römer 12,21
Die Jahreslosung für das Jahr 2011 hat es in sich. Denn gerade an dem, was dieser Vers von uns fordert, scheitern wir oft genug. Es ist einfach eine Tatsache, dass der Gedanke an Vergeltung tief in uns steckt. Die Motivation ist das Problem, die Gesinnung. Im Fußball kennt man das Revanchefoul. In der Politik holt man aus zum Vergeltungsschlag. Der Racheakt gehört zur Realität. Auch Rache zwischen Christen oder auch Familienmitgliedern ist leider eine Wirklichkeit des Lebens.
Jesus Christus war so anders. Er hat sich nicht gerächt, sondern ist für uns am Kreuz gestorben, hat sich für seine Feinde am Kreuz zu Tode geliebt. Er hat das Böse buchstäblich mit dem Guten überwunden. Er hat sich schlicht niemals zu etwas Bösem hinreißen lassen.
Seine Gesinnung sollen auch wir in uns haben. Und das ist wirklich nicht leicht. Seit dem Sündenfall steckt dieses Gift in uns, dieses Gift, das uns nach Rache schreien lässt. Wieviel Macht dieses Gift hat, hängt von uns selbst ab. Wer eng mit Jesus geht, wer sein Wort tief in sich fließen lässt, wer immer mehr mit dem „Christus in uns“ rechnet und sich ihm praktisch im Alltag des Lebens anvertraut, wird auch immer mehr von dieser Gesinnung Jesu selbst verinnerlichen und entsprechend handeln. Er will und kann das Gute in uns vollbringen! Das ganze zwölfte Kapitel des Römerbriefes ist eine Anleitung im Umgang mit anderen Menschen. Und der letzte Vers daraus, die Jahreslosung, ist zugleich Zusammenfassung und Höhepunkt des ganzen Kapitels.
Unsere Sache ist es, uns nicht zu Bösem hinreißen zu lassen, auch wenn uns jemand Unrecht getan hat. Im 1. Petrusbrief heißt es: "Denn so ist es der Wille Gottes, dass ihr durch Gutes Tun die Unwissenheit der unverständigen Menschen zum Schweigen bringt.“ (1. Petrus 2,15)
Wenn wir einem Gegner Gutes tun, beschämt es diesen positiv und es gibt eine gute Chance zur Aussöhnung. Während ein Racheakt die Zwietracht nur weiter befeuern würde. Gott wünscht sich für uns also auch ein friedliches Leben. Ein Feind wird vielleicht nicht immer ein Freund, wenn wir ihm etwas Gutes tun, aber er wird uns hoffentlich zumindest in Ruhe leben lassen. Manchmal ist es hilfreicher auf Abstand friedlich zu leben, auch wenn das nicht dem Ideal entspricht, als sich gegenseitig durch zu viel Kontakt zu überfordern. Auch das kann bedeuten, das Böse mit Gutem zu überwinden.
"Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Wir sollten es auf neue Versuche ankommen lassen. Jesus hat es uns vorgemacht und will es uns ermöglichen, es ihm nachzutun - in uns und durch uns wirksam durch sein Wort und seinen Geist. Unsere Widersacher werden überrascht sein, wenn wir Gutes tun, wo eigentlich Böses von uns erwartet wird. Versuchen wir, das Unerwartete zu tun. Plötzlich ergeben sich völlig neue Perspektiven. Auch und gerade im neuen Jahr.
Ich wünsche allen ein gesegnetes Jahr 2011, in dem wir immer neu erleben dürfen, dass wir Böses mit Gutem überwinden können in der Kraft Jesu Christi!
Ihr/Euer
Steffen Kahl
(Gründungs-)Pastor der Friedenskirche Lauchhau-Lauchäcker